Die Schweiz ist im deutschsprachigen Raum der Sonderfall — in beide Richtungen. Streng: Nirgendwo sonst ist die Spravato-Erstattung so eng geregelt wie mit der Schweizer Limitatio samt Kostengutsprache und Zehn-Monats-Deckel. Liberal: Nirgendwo sonst in Europa dürfen bewilligte Ärztinnen und Ärzte Patientinnen und Patienten außerhalb von Studien mit Psilocybin, LSD oder MDMA behandeln. Diese Seite fasst beides zusammen; die ausführlichen Leitfäden sind der Schweiz-Zugangsleitfaden und der Erstattungsleitfaden Schweiz.
Das Wichtigste in Kürze Spravato steht seit dem 1. Oktober 2025 auf der Spezialitätenliste (befristete Limitierungen bis 30. September 2028) und wird von der Grundversicherung erstattet — nur an den 52 vom BAG bezeichneten Zentren, nur nach Kostengutsprache des Vertrauensarztes und für maximal 10 Monate, höchstens zweimal um 3 Monate verlängerbar. Die Limitatio verlangt Alter 18–74, zwei erfolglose Antidepressiva plus einen erfolglosen Augmentationsversuch und CGI-S 5 oder mehr. Private Ketamin-Infusionen kosten 300–500 CHF pro Sitzung. Und im Programm zur beschränkten medizinischen Anwendung behandeln rund 100 bewilligte Ärztinnen und Ärzte mit Psilocybin, LSD oder MDMA — 723 Behandelte im Jahr 2024, meist selbst gezahlt, mit Wartelisten von vielen Monaten. Eine erste Orientierung gibt der Eignungscheck.
Spravato: erstattet, aber nur an bezeichneten Zentren
Die Erstattung setzt nach der Aufnahmedokumentation des BAG voraus: Alter 18–74 mit einer schweren therapieresistenten Episode einer Major Depression; Versagen von mindestens zwei verschiedenen Antidepressiva plus einem Augmentationsversuch (Lithium oder ein atypisches Antipsychotikum) in ausreichender Dosis und Dauer; ein Schweregrad von CGI-S 5 oder höher; und dass Elektrokonvulsionstherapie derzeit nicht indiziert, abgelehnt oder nicht zugänglich ist. Behandelt wird ausschließlich an den 52 vom BAG bezeichneten Zentren, und das Zentrum muss vor der ersten Dosis eine Kostengutsprache beim Vertrauensarzt Ihres Versicherers einholen. Die Kostenübernahme läuft maximal 10 Monate, höchstens zweimal um 3 Monate verlängerbar; außerhalb der Limitatio ist die Einzelfallerstattung nach Art. 71a–d KVV die realistische Rückfalloption.
Alle 52 Zentren stehen mit Kontakten in unserem Verzeichnis — von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich über die UPK Basel bis zu den Universitätsspitälern in Genf und Lausanne: Anbieterübersicht für die Schweiz, sortiert auch über die Stadtseiten Zürich und Basel.
Privates Ketamin: 300–500 CHF pro Infusion
Racemisches Ketamin wird auch in der Schweiz off-label gegen Depression eingesetzt — legal, aber in der Regel selbst zu zahlen, mit etwa 300–500 CHF pro Infusion. Es gelten dieselben Prüfregeln wie überall: medizinisches Screening vor der Bezahlung, ärztliche Anwesenheit, Ergebnismessung, Gesamtkosten schriftlich (Leitfaden zur Klinikwahl); die Risiken wiederholter Anwendung erklärt der Leitfaden Ketamin: Nebenwirkungen und Risiken.
Der Schweizer Sonderweg: Psilocybin, LSD und MDMA
Über Ausnahmebewilligungen nach Artikel 8 des Betäubungsmittelgesetzes dürfen einzeln bewilligte Psychiaterinnen und Psychiater namentlich benannte Patientinnen und Patienten mit Psilocybin, LSD oder MDMA behandeln, wenn Standardtherapien versagt haben. 2024 behandelten rund 100 Ärztinnen und Ärzte im Programm 723 Patientinnen und Patienten — MDMA vor allem bei PTBS, Psilocybin vor allem bei Depression und existenzieller Belastung am Lebensende, typischerweise 2–4 Dosierungssitzungen innerhalb von 12 Monaten. Der Weg läuft über die Ärztin oder den Arzt, nicht über das BAG: Sie können sich nicht selbst bewerben, Wartelisten erfahrener Praxen umfassen viele Monate, und die Behandlung ist in der Regel selbst zu zahlen. Unser Verzeichnis führt rund 100 Programm-Einträge in der ganzen Schweiz — die vollständige Liste steht in der Anbieterübersicht für die Schweiz.
Studien: Basel und Zürich als europäische Schwergewichte
Die Schweiz verankert eine der dichtesten Studienlandschaften Europas — 73 erfasste Studien, 15 aktiv, mit Zentren wie der Clinical Pharmacology & Toxicology am Universitätsspital Basel und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Teilnahme ist kostenfrei, das Screening streng; wie Sie suchen, erklärt der Studien-Leitfaden.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse Ketamintherapie in der Schweiz?
Spravato: ja, seit Oktober 2025 über die Grundversicherung — aber nur an den 52 BAG-Zentren, nach Kostengutsprache und innerhalb der strengen Limitatio, für maximal 10 Monate. Private Ketamin-Infusionen (300–500 CHF pro Sitzung) sind Selbstzahlerleistungen.
Welche Zentren dürfen Spravato anwenden?
Nur die 52 vom BAG bezeichneten Zentren — darunter die grossen psychiatrischen Universitätskliniken in Zürich, Basel, Bern, Genf und Lausanne. Die Liste mit Kontakten steht in unserem Schweiz-Verzeichnis.
Wie streng sind die Spravato-Kriterien wirklich?
Strenger als in Deutschland: Zusätzlich zu zwei erfolglosen Antidepressiva verlangt die Limitatio einen erfolglosen Augmentationsversuch, einen Schweregrad von CGI-S 5 oder mehr und die EKT-Klausel — und die Kostengutsprache muss vor der ersten Dosis bewilligt sein. Der Vergleich: Spravato: Kosten und Krankenkasse in Deutschland.
Ist psychedelische Therapie in der Schweiz wirklich legal?
Ja — als einziges Land Europas erlaubt die Schweiz Psilocybin-, LSD- und MDMA-Therapie außerhalb von Studien, über Ausnahmebewilligungen nach Art. 8 BetmG für einzeln bewilligte Ärztinnen und Ärzte. Der Zugang läuft ausschließlich über diese Behandlerinnen und Behandler, meist selbst gezahlt und mit langen Wartelisten.
Können deutsche Patientinnen und Patienten das Schweizer Programm nutzen?
Das Programm setzt eine Behandlung im Schweizer Versorgungssystem voraus — es ist kein Reiseziel für Behandlungstourismus. Wer in Deutschland versichert ist, findet die dortigen Wege im Überblick Ketamintherapie in Deutschland.
Quellen
- BAG: Spravato-Neuaufnahme in die Spezialitätenliste (01.10.2025, befristet)
- Vertrauensärzte: Standardformular Kostengutsprache Spravato
- EMA: Spravato (Esketamin) — Arzneimittelübersicht und EPAR
- Blossom: Länderreport Schweiz
Dieser Leitfaden dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Empfehlung einer Behandlung. Limitatio, Zentrumslisten und Preise ändern sich; lassen Sie sich Kosten und Kostengutsprachen schriftlich bestätigen und besprechen Sie Ihre Optionen mit einer approbierten Ärztin oder einem approbierten Arzt, die Ihre Vorgeschichte kennen. In einer akuten Krise wenden Sie sich sofort an den örtlichen Notruf oder einen Krisendienst.
Dieser Leitfaden wartet auf die Prüfung durch eine approbierte Ärztin oder einen approbierten Arzt.