SwitzerlandAktualisiert am 11 Juli 20264 min read

Wird Esketamin (Spravato) in der Schweiz erstattet? Leitfaden 2026

Written by the editorial team · fact-checked against primary sources · clinical review scheduled.

On this page

  1. Was übernommen wird
  2. Wer die Kriterien erfüllt
  3. Wer entscheidet und wie Sie vorgehen
  4. Was Sie zahlen
  5. Wenn Sie die Kriterien nicht erfüllen
  6. Häufige Fragen
  7. Quellen

Ja, mit Auflagen. Seit dem 1. Oktober 2025 erstattet die Schweizer Grundversicherung (OKP) das Esketamin-Nasenspray (Spravato) bei schwerer therapieresistenter Depression — aber nur an den 52 vom BAG bezeichneten Zentren, nur nachdem der Vertrauensarzt Ihres Versicherers eine Kostengutsprache bewilligt hat, und für maximal 10 Monate. Die Schweiz betreibt eines der strengsten Vorabbewilligungsmodelle Europas, weshalb Kriterien und Unterlagen hier mehr zählen als fast überall sonst. Diese Seite erklärt genau, wer die Kriterien erfüllt, wie die Vorabbewilligung funktioniert, was Sie zahlen und welche Wege bleiben, wenn Sie außerhalb der Limitatio liegen. Das letzte Wort zur Eignung hat eine Ärztin oder ein Arzt, aber unser Eignungscheck ist ein sinnvoller Einstieg.

Was übernommen wird

Spravato wurde am 1. Oktober 2025 in die Spezialitätenliste aufgenommen, mit befristeten Limitierungen bis zum 30. September 2028 und unter einer strengen Limitatio. Die Grundversicherung übernimmt die Behandlung nur an den 52 vom BAG bezeichneten Zentren — Einrichtungen mit kantonalem Leistungsauftrag für die Erwachsenenpsychiatrie. Die Kostenübernahme läuft maximal 10 Monate, höchstens zweimal um je 3 Monate verlängerbar, wenn ein anhaltendes Ansprechen dokumentiert ist, und Esketamin wird stets in Kombination mit einem oralen Antidepressivum angewendet.

Wer die Kriterien erfüllt

Die Limitatio verlangt gemäß der Aufnahmedokumentation des BAG und dem Standardformular für das Kostengutsprachegesuch:

  • Alter 18–74 mit einer schweren therapieresistenten Episode einer Major Depression;
  • Versagen von mindestens 2 verschiedenen Antidepressiva plus 1 Augmentationsversuch (Lithium oder ein atypisches Antipsychotikum) in ausreichender Dosis und Dauer;
  • Schweregrad von CGI-S 5 oder höher;
  • Elektrokonvulsionstherapie derzeit nicht indiziert, abgelehnt oder nicht zugänglich;
  • Anwendung in Kombination mit einem oralen Antidepressivum.

Jeder dieser Punkte wird an Ihrer dokumentierten Behandlungsvorgeschichte gemessen. Die nützlichste Vorbereitung ist deshalb eine schriftliche Liste jedes ausprobierten Antidepressivums und jeder Augmentation, mit Substanz, Dosis, Dauer und Ergebnis. In einem Vorabbewilligungssystem ist dieses Dokument buchstäblich das, was die Ärztin oder der Arzt des Versicherers liest.

Wer entscheidet und wie Sie vorgehen

Die Verordnung ist Psychiaterinnen und Psychiatern an den 52 bezeichneten Zentren vorbehalten. Vor der ersten Dosis reicht das Zentrum bei Ihrem Versicherer ein Kostengutsprachegesuch ein, das der Vertrauensarzt prüft, indem er Ihre dokumentierte Vorgeschichte mit der Limitatio abgleicht. Praktisch heißt das: Bitten Sie Ihre Psychiaterin oder Ihren Psychiater um eine Überweisung an das nächstgelegene gelistete Zentrum, bringen Sie eine vollständige Medikationshistorie mit und planen Sie einige Wochen für die Vorabbewilligung ein, die das Zentrum früh anstoßen sollte. Weil die Kostenübernahme befristet ist, besprechen Sie die Erhaltungs- und Ausstiegsstrategie am Anfang, nicht im neunten Monat. Wer in Ihrer Nähe gelistet ist, zeigt die Anbieterübersicht für die Schweiz; das vollständige Bild aller legalen Wege, einschließlich des Programms zur beschränkten medizinischen Anwendung von Psilocybin, LSD und MDMA, bietet unser Schweiz-Zugangsleitfaden.

Was Sie zahlen

Sobald der Vertrauensarzt bewilligt hat, übernimmt die Grundversicherung (OKP) die Behandlung am bezeichneten Zentrum für den befristeten Zeitraum. Die Alternativen kosten aus eigener Tasche deutlich mehr: Privates Off-label-Ketamin liegt bei etwa 300–500 CHF pro Infusion, vollständig selbst gezahlt (ein Antrag, Ketamin für Depression und Schmerz in den Erstattungsanhang aufzunehmen, wurde abgelehnt), und eine Behandlung mit Psilocybin, LSD oder MDMA im Programm zur beschränkten medizinischen Anwendung ist in der Regel selbst zu zahlen, da diese Substanzen nicht auf der Spezialitätenliste stehen.

Wenn Sie die Kriterien nicht erfüllen

  • Art. 71a–d KVV — Einzelfallerstattung. Schweizer Versicherer können Arzneimittel außerhalb der zugelassenen Liste übernehmen, wenn eine schwerwiegende Erkrankung, ein hoher erwarteter Nutzen und keine Alternative vorliegen. Das ist der realistische Weg für Esketamin außerhalb der Limitatio: über 74, oder jenseits der 10-Monats-Grenze. Die Anwendung auf bewilligte MDMA-, LSD- oder Psilocybin-Therapie ist theoretisch argumentierbar, aber in der Praxis nicht dokumentiert. Der Erfolg ist eine Einzelfallfrage und braucht eine Fachärztin oder einen Facharzt, die bereit sind, Ihr Dossier zu vertreten.
  • Privates Off-label-Ketamin für etwa 300–500 CHF pro Infusion, selbst gezahlt. Prüfen Sie die Berufsausübungsbewilligung der Ärztin oder des Arztes und wenden Sie die Prüfpunkte aus unserem Leitfaden zur Klinikwahl an: psychiatrisches und kardiovaskuläres Screening vor der Zahlung, ärztliche Präsenz, gemessene Ergebnisse.
  • Klinische Studien sind per Definition kostenfrei, und die Schweizer Szene, verankert in Basel und Zürich, gehört zu den dichtesten Europas; siehe den Studien-Leitfaden.

Häufige Fragen

Wird Spravato in der Schweiz erstattet?

Ja — seit dem 1. Oktober 2025 übernimmt es die Grundversicherung bei schwerer therapieresistenter Depression, aber nur an den 52 vom BAG bezeichneten Zentren, nur nach vertrauensärztlich bewilligter Kostengutsprache und für maximal 10 Monate, höchstens zweimal um 3 Monate verlängerbar.

Ich bin über 74, oder meine 10 Monate sind vorbei — ist das endgültig?

Nicht unbedingt. Art. 71a–d KVV erlaubt Versicherern die Einzelfallerstattung außerhalb der Limitatio bei schwerwiegender Erkrankung, hohem erwartetem Nutzen und fehlender Alternative. Für Esketamin jenseits der Alters- oder Zeitgrenzen ist das realistisch, aber eine Einzelfallfrage und abhängig von einer unterstützenden Fachärztin oder einem unterstützenden Facharzt.

Muss ich EKT versuchen, bevor Spravato übernommen wird?

Nein. Die Limitatio verlangt, dass EKT derzeit nicht indiziert ist, von Ihnen abgelehnt wird oder nicht zugänglich ist; Ihre Psychiaterin oder Ihr Psychiater dokumentiert, was zutrifft.

Wird Psilocybin-, LSD- oder MDMA-Therapie übernommen?

Nein. Die beschränkte medizinische Anwendung macht diese Behandlungen in der Schweiz über bewilligte Ärztinnen und Ärzte legal verfügbar, aber sie stehen nicht auf der Spezialitätenliste und sind in der Regel selbst zu zahlen. Auch für Esketamin bleibt die Schweiz eines der strengeren Vorabbewilligungssysteme — wie sie im Vergleich dasteht, zeigt die europaweite Erstattungsübersicht.

Quellen

  1. BAG: SPRAVATO Neuaufnahme Spezialitätenliste (PDF)
  2. BAG: Liste der Zentren gemäss der Limitierung von Spravato (PDF)
  3. BAG: Spravato-Limitatio und Zentrenliste (Referenzdokumente zur Spezialitätenliste)
  4. Vertrauensärzte: Spravato Kostengutsprachegesuch (PDF)
  5. Blossom: Medizinischer Zugang in der Schweiz
  6. Reimbursement Pathways for Psychedelic Therapies in Europe — Magnetar Access × Blossom (2025)

Dieser Leitfaden dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Empfehlung einer Behandlung. Vorschriften und Erstattungsregeln ändern sich; prüfen Sie die aktuellen Anforderungen immer mit Ihrem Versicherer und besprechen Sie Ihre Optionen mit einer approbierten Ärztin oder einem approbierten Arzt, die Ihre Vorgeschichte kennen. In einer akuten Krise wenden Sie sich sofort an den örtlichen Notruf oder einen Krisendienst.

Dieser Leitfaden wartet auf die Prüfung durch eine approbierte Ärztin oder einen approbierten Arzt.

Continue reading

Looking for a provider? Browse the directory by country or read how listings are verified.