Wer nach psychedelischer Therapie in Österreich sucht, findet zwei sehr unterschiedliche Antworten — je nachdem, welche Substanz gemeint ist. Für Ketamin und Esketamin (Spravato) existiert ein legaler, gangbarer Behandlungsweg: über das Spital, über Einzelfallbewilligungen der Krankenkasse oder über Wiens Privatordinationen. Für Psilocybin und MDMA gibt es dagegen keinen Behandlungsweg, sondern nur die Forschung — und die ist konkreter, als viele denken, mit einer rekrutierenden Studie in Wien und einer genehmigten in Graz. Diese Seite ordnet beides und nennt die Studien mit Nummern und Teilnahmewegen. Die ausführlichen Leitfäden dahinter: der Österreich-Zugangsleitfaden und der Überblick Ketamintherapie in Österreich.
Das Wichtigste in Kürze Legal verfügbar ist in Österreich heute die Behandlung mit Esketamin (Spravato) und Ketamin — stationär über die Spitalsfinanzierung, ambulant per chefärztlicher Bewilligung im Einzelfall oder privat in Wien. Psilocybin und MDMA sind nach dem Suchtmittelgesetz nur in der Forschung zugänglich; ein Härtefallprogramm wie in Deutschland gibt es nicht. Aktuell rekrutiert die Medizinische Universität Wien für eine Psilocybin-Studie bei Depression mit Anhedonie (NCT07490353); am LKH Graz II ist eine Psilocybin-Studie zu therapieresistenter Depression genehmigt (EU-CT 2024-518654-16-01), rekrutiert laut Register aber noch nicht. Eine erste Orientierung zum legalen Behandlungsweg gibt der Eignungscheck.
Was in Österreich legal ist — und was nicht
Ketamin und Esketamin (Spravato): legal. Esketamin ist EU-weit bei therapieresistenter Depression zugelassen und wird in Österreich eingesetzt — die Hürde ist nicht die Rechtslage, sondern die Finanzierung: Stationär trägt die Spitalsfinanzierung (LKF) die Behandlung, ambulant entscheidet der chefärztliche Dienst Ihrer Krankenkasse im Einzelfall, und in Wien gibt es einen Privatmarkt mit veröffentlichten Honoraren. Die Details — Kriterien, Kosten, Wahlarzt-Erstattung — stehen im Überblick Ketamintherapie in Österreich.
Psilocybin und MDMA: nur Forschung. Beide Substanzen sind über das Suchtmittelrecht kontrolliert — das Suchtmittelgesetz mit den Anhängen der Durchführungsverordnung (Anlage V). Es gibt keinen medizinischen Zugangsweg, kein Härtefallprogramm (Compassionate Use) und keine Erstattung; wer in Österreich kommerziell Psilocybin- oder MDMA-Therapie anbietet, handelt illegal. Der einzige legale Kontakt mit diesen Substanzen findet innerhalb einer genehmigten Studie statt.
Der Schweizer Sonderweg hilft nicht weiter. Die Schweiz erlaubt als einziges Land Europas Psilocybin-, LSD- und MDMA-Therapie außerhalb von Studien — das Programm setzt aber eine Behandlung im Schweizer Versorgungssystem voraus und ist kein Reiseziel für Behandlungstourismus. Die Einordnung: Ketamintherapie in der Schweiz.
Die Studienlage: Wien rekrutiert, Graz ist genehmigt
Stand 31. August 2026 sehen die österreichischen Psychedelika-Studien so aus:
- Psilocybin bei Depression mit Anhedonie — Medizinische Universität Wien, rekrutiert. Die Studie NCT07490353 an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien untersucht, wie Psilocybin die Fähigkeit beeinflusst, Freude zu empfinden. Seien Sie sich im Klaren, was das ist: eine bildgebungsintensive Studie in früher Phase mit zwei begleiteten Sitzungen und umfangreicher MRT-Arbeit, kein Behandlungsprogramm. Die Teilnahme ist kostenfrei, legal und sorgfältig gescreent.
- Psilocybin bei therapieresistenter Depression — LKH Graz II, genehmigt, rekrutiert noch nicht. Die Phase-II-Studie „Psilocybin in treatment-resistant depression“ (EU-CT 2024-518654-16-01, Sponsor LKH Graz II) wurde am 30. Jänner 2025 genehmigt; im EU-Studienregister CTIS steht sie mit Stand Ende August 2026 auf „genehmigt, noch nicht begonnen“. Wenn die Rekrutierung startet, wird sie dort und auf den Seiten des Sponsors sichtbar — es lohnt sich, das Register zu beobachten.
- MDMA: derzeit keine rekrutierende österreichische Studie. Wenn Ihnen MDMA-gestützte Therapie wichtig ist, sind die realistischen Optionen, die Register zu beobachten oder Studienzentren anderswo in Europa in Betracht zu ziehen; wie das geht, erklärt der Studien-Leitfaden.
- Esketamin und Ketamin in der Forschung. Wer die Studienschiene für die bereits zugelassene Substanzklasse sucht: INTENSIFY MDD (NCT05973851), eine europäische Phase-3-Studie zu früh intensivierter Behandlung — ein Zweitlinien-Antidepressivum plus Esketamin oder Ketamin —, rekrutiert mit einem österreichischen Zentrum an der Medizinischen Universität Innsbruck. Dazu kommen die Ketamin-Studien der Arbeitsgruppe für schnell wirksame Antidepressiva an der MedUni Wien.
Wie Studienteilnahme funktioniert
- Studie prüfen — lesen Sie die Ein- und Ausschlusskriterien im Registereintrag (ClinicalTrials.gov für NCT-Nummern, CTIS für EU-CT-Nummern). Dort stehen auch die Kontaktdaten des Studienteams.
- Behandlungsvorgeschichte aufschreiben — jedes in der aktuellen Episode ausprobierte Antidepressivum mit Substanz, Dosis, Dauer und Ergebnis. Dieses Dossier braucht jedes Screening.
- Studienteam kontaktieren — direkt über die im Register genannten Kontakte oder über eine Zuweisung Ihrer behandelnden Psychiaterin oder Ihres behandelnden Psychiaters.
- Realistisch bleiben — die Teilnahme ist kostenfrei und legal, aber das Screening ist streng und eine Aufnahme nie garantiert. Wie Phasen, Placebo und Einwilligung funktionieren, erklärt der Studien-Leitfaden.
Wien: was es vor Ort gibt
Wien bündelt fast alles, was Österreich in diesem Feld hat. Die Medizinische Universität Wien rekrutiert für die Psilocybin-Studie zu Depression mit Anhedonie und betreibt eine der aktivsten europäischen Forschungsgruppen zu schnell wirksamen Antidepressiva. Die Spezialambulanz für therapieresistente Depression am AKH Wien ist die bekannteste öffentliche Anlaufstelle für die Esketamin-Behandlung. Und der Wiener Privatmarkt — die Ordination Dr. Buchmayer und PsyTherapie (Dr. Platz) — behandelt mit Esketamin bzw. Ketamin zu veröffentlichten Honoraren; die Preislogik samt Wahlarzt-Erstattung steht im Überblick Ketamintherapie in Österreich. Alle österreichischen Einträge mit Kontakten: Anbieterübersicht für Österreich.
Retreats und private Angebote
Wer legal keinen Zugang findet, stößt früher oder später auf Retreats — im Inland versteckt oder im Ausland beworben. Zwei Dinge sollten Sie dazu wissen. In Österreich selbst ist jedes kommerzielle Psilocybin- oder MDMA-Angebot illegal, gleich wie es sich nennt. Und Retreats im Ausland — etwa Trüffel-Retreats in den Niederlanden — operieren als Wellness-Unternehmen, nicht als Gesundheitsversorgung: Es gelten keine medizinischen Screening-Pflichten, die Begleiterinnen und Begleiter sind meist keine Klinikerinnen oder Kliniker, und wenn etwas schiefgeht, gibt es keine klinische Nachsorge. Für Menschen mit erheblicher psychiatrischer Vorgeschichte ist das ein reales Risiko. Retreats liegen außerhalb des Rahmens dieses Verzeichnisses; wenn Sie dennoch eines erwägen, sprechen Sie zuerst mit Ihrer behandelnden Klinikerin oder Ihrem behandelnden Kliniker — ein Retreat ist kein Ersatz für die hier beschriebenen überwachten Wege.
Häufige Fragen
Ist psychedelische Therapie in Österreich legal?
Teilweise. Ketamin- und Esketamin-Behandlung ist legal und wird praktiziert — im Spital, per Einzelfallbewilligung oder privat. Psilocybin und MDMA sind nach dem Suchtmittelgesetz nur innerhalb genehmigter Studien zugänglich; jedes kommerzielle Angebot außerhalb der Forschung ist illegal.
Wie kann ich an einer Psilocybin-Studie in Österreich teilnehmen?
Derzeit rekrutiert die Medizinische Universität Wien für die Studie zu Depression mit Anhedonie (NCT07490353). Prüfen Sie die Kriterien im Registereintrag und kontaktieren Sie das Studienteam — direkt oder über Ihre behandelnde Psychiaterin oder Ihren behandelnden Psychiater, mit der schriftlichen Behandlungsvorgeschichte. Die Teilnahme ist kostenfrei, das Screening streng.
Gibt es Psilocybin-Therapie in Wien?
Nur in der Forschung: die Studie der MedUni Wien zu Depression mit Anhedonie. Außerhalb von Studien ist jedes Angebot illegal. Der etablierte legale Behandlungsweg in Wien ist die Esketamin-/Ketamin-Behandlung — am AKH oder in den Privatordinationen; die Details ordnet Ketamintherapie in Österreich.
Bekomme ich in Österreich MDMA-gestützte Therapie?
Nicht außerhalb der Forschung — und mit Stand August 2026 rekrutiert keine österreichische MDMA-Studie. Die realistischen Optionen sind, die Register auf neue Studien zu beobachten oder Studienzentren anderswo in Europa in Betracht zu ziehen.
Was ist mit dem deutschen Härtefallprogramm oder dem Schweizer Programm?
Beide stehen Menschen im österreichischen Versorgungssystem nicht offen: Das deutsche Psilocybin-Härtefallprogramm gilt für dort Behandelte (Details), das Schweizer Programm zur beschränkten medizinischen Anwendung setzt eine Behandlung im Schweizer System voraus.
Quellen
- ClinicalTrials.gov: NCT07490353 — Psilocybin und Anhedonie, Medizinische Universität Wien
- CTIS (EU-Studienregister): 2024-518654-16-01 — Psilocybin bei therapieresistenter Depression, LKH Graz II
- ClinicalTrials.gov: NCT05973851 — INTENSIFY MDD (Zentrum Medizinische Universität Innsbruck)
- Suchtmittelgesetz-Durchführungsverordnung, Anlage V (jusline)
- MedUni Wien: Forschungsgruppe schnell wirksame Antidepressiva
- Blossom: Länderreport Österreich
Dieser Leitfaden dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Empfehlung einer Behandlung. Studienstatus und Rechtslage ändern sich; prüfen Sie die Registereinträge selbst und besprechen Sie Ihre Optionen mit einer approbierten Ärztin oder einem approbierten Arzt, die Ihre Vorgeschichte kennen. In einer akuten Krise wenden Sie sich sofort an den örtlichen Notruf oder einen Krisendienst.
Dieser Leitfaden wartet auf die Prüfung durch eine approbierte Ärztin oder einen approbierten Arzt.